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Zaubererbruder

Der Krabat-Liederzyklus

Erscheinungsdatum der Erstausgabe: 29. August 2008
Label: Trisol Music Group

Das „Zwischenalbum“. Warum wurde es so bezeichnet? Weil es zwischen zwei Erzählzyklen erschienen ist und ursprünglich gar nicht als ASP-Album geplant war. Aber am Ende war es eines und es wurde das bisher erfolgreichste Album der Bandgeschichte. Der Liederzyklus rund um die beliebte sorbische Sage. Nie waren ASP so vielseitig! Von Chansoneskem, Folkigem über Elektronisches bis hin zu Metallisch-Rockigem ist wirklich alles vertreten auf dieser Doppel-CD.

Albumcover

CD 1
1. Intro: Betteljunge 3:12
2. Krabat 4:56
3. Die Teufelsmühle 5:29
4. Denn ich bin der Meister 6:29
5. Fluchtversuch 4:29
6. Elf und Einer 6:42
7. Mein Herz erkennt Dich immer 5:56
8. Verwandlungen I-II 10:56
CD 2
1. Abschied 6:24
2. Der Schnitter Tod 4:27
3. Spottlied auf die harten Wanderjahre 4:53
4. Zaubererbruder 4:45
5. Der geheimnisvolle Fremde (Ja, Ja, drei mal Hurra!) 8:16
6. Am Ende 7:37
7. Outro: Zwei Schwäne 1:13

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Auszug aus der Rezension im Orkus in "Artworks & Artwords" - Das Orkus-Buch über ASP:

Im Nachhinein scheint es von bestechender Logik zu sein, dass eine vage Idee von mir, nämlich, aus einer Erzählung von Otfried Preußler ein Musikprojekt entstehen zu lassen, ausgerechnet 2008 ihre Verwirklichung erlebte. Die Idee schlummerte seit der Mitte der 90er Jahre in einer meiner Ideen-Schubladen herum. Sie nach Abschluss des Schmetterlings-Zyklus in die Tat umzusetzen, wirkt heute naheliegend und ganz logisch. Nur frage ich mich mittlerweile oft, welche Aspekte meines Lebens mich antrieben, dieses Projekt ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt anzugehen. Einmal ganz abgesehen von der einfachsten Erklärung, dass man das Album ausgezeichnet zwischen die größeren Erzählstrukturen „Schmetterlings-Zyklus“ und „Fremder-Zyklus“ platzieren könne. Ups, wollte ich das wirklich schon verraten?
Nein, Spaß beiseite: Das scheint mir alles im Nachhinein mehr als stimmig zu sein, aber mit ein wenig Abstand und allem, was ich in den vergangenen zwei Jahren erlebt habe, kamen mir große Zweifel.

Ich neige nicht gerade zur psychologischen Selbstzerpflückung weil mir – warum nur? – die Psychoanalyse grundsätzlich verhasst ist. Die vertreibt den Zauber aus der Welt und schafft zudem die Grundlagen dafür, jedwedes Arschnasenverhalten mit einem traumatischen Erlebnis in der Biographie zu rechtfertigen, wovon ich überhaupt nicht begeistert bin.
Vielleicht will ich nicht daran glauben, dass man wie ein biochemischer Computer funktioniert, der, gibt man ihm bestimmte Reize ein, auch nur auf eine ganz bestimmte Weise reagieren und funktionieren kann.
Dies widerspricht einfach meinem tief verwurzelten Glauben daran, sein Schicksal selbst in der Hand zu haben und sich trotz aller Widerstände zu einem aufrechten Menschen zu entwickeln. Genau wie Preußlers Krabat, der den Lockungen der Schwarzen Künste irgendwann widersteht und einen anderen Weg für sich wählt.


Vorwort aus dem Booklet der CD:

Der lange Weg zur Teufelsmühle

Ein paar hin gekritzelte Notizen am Seitenrand einer anderen Geschichte: Auf diese Weise finden neue Erzählungen häufig ihren Anfang bei mir. Das Schreiben fördert das Schreiben zutage. Vereinzelt ist es, wie Silber in einer Goldmine zu finden: Es ist nicht das, was man gesucht hat, aber deshalb hat es doch einigen Wert. (Nicht zu vergessen den ganzen Schutt, den ich auch und gerne zutage fördere.)
Als ich im Jahre 2004 an unserem vierten Album Aus der Tiefe arbeitete, wurde mir zum allerersten Mal ganz allmählich bewusst, welche Nebeneffekte das Leben als - haha! - Rockstar mit sich brachte. Ich stand - nicht zum letzten Mal - vor dem, was man heute als ‘Burn-Out’ bezeichnet, oder wunderbar treffend für Künstler: Vor der totalen Er-Schöpfung.
Was andere Leute an Kraft-Wiedergewinnung beim Urlaub in fremden Ländern finden mögen, für mich sind es eher die heimatlichen Gefilde einer guten Geschichte, zu denen ich flüchte, oder - um nicht wieder das böse E-Wort zu benutzen1- die ich bereise.
Unter anderem landete (bereits zum vierten, fünften Mal) Otfried Preußlers Krabat2 auf meinem Lesestapel und ich ließ mich in die Geschichte fallen wie in ein wohltuendes heißes Bad nach einem harten Arbeitstag.
Außerdem erinnerte ich mich an eine ähnliche Situation mit eben diesem Buch und an eine vage Idee, die ich Mitte der 90er Jahre hatte - nämlich die Umsetzung der Krabat-Geschichte in Musikform. Sie sehen also, der frisch daherkommende Tonträger, den Sie nun in Händen halten, hat in Wirklichkeit schon einige Jährchen auf dem Buckel, wenn man davon ausgeht - und das tue zumindest ich gerne - dass der Moment des kreativen Erstfunkens der Geburtstermin eines Werkes ist.

Trotz allem riss der Mahlstrom der Tätigkeiten das Projekt zunächst wieder mit sich fort und die Ideen fristeten, um ein paar hübsche Kritzeleien erweitert, ein weiteres Jahr ihr Dasein im Schoße meines ’Irgendwannmal’-Containers.
Jedoch nicht, ohne Spuren zu hinterlassen: Das Mühlrad hielt als Symbol für die Unterdrückung und die scheinbare Ausweglosigkeit (die von einer dunklen Macht ausgeht) Einzug in die Metaphernwelt des ’Schmetterlings’ und schmuggelte sich schon in den 2005 erschienenen Song Panik. Außerdem natürlich im Text von Ich bin ein wahrer Satan, der Single, auf deren vier Ausgaben die ersten Krabat-Lieder 2006 schließlich erscheinen sollten.

Als es immer klarer wurde, dass dieses Album Realität werden sollte, dachte ich zunächst eigentlich ’nur’ an eine Umsetzung der Preußler'schen Version der Sage in Songtexte und Musik. Diese scheiterte jedoch an mehreren Faktoren: Zum einen deshalb, weil ich immer den besonderen Reiz an Otfried Preußlers Krabat darin gespürt hatte, dass er den Leser scheinbar bewusst mit einem schnellen Ende und der daraus resultierenden Leere zurückließ. Ich war mir nicht sicher, ob ich das ebenfalls auf diese Art machen wollte und konnte. Zum anderen hatte ich zwischenzeitlich auch nochmal die Umsetzung des Stoffes von Jurij Br?zan3 gelesen, welche ebenfalls sehr spannend ist und einen sozialkritischen Aspekt birgt, der mir von Anfang an behagte.

Also beschloss ich, ein bisschen zu recherchieren, um der Legende ‘Krabat’ ein wenig auf die Spur zu kommen. Selbstverständlich war ich überhaupt nicht gefasst auf das sprichwörtliche Fass ohne Boden, das mich erwartete. Tage und Wochen ließ ich mich treiben und wanderte auf den verschlungenen Pfaden der Sage. Nicht selten lief ich dabei in Sackgassen und verfing mich im Gestrüpp von Widersprüchlichkeiten.
Spannendes, ja Abenteuerliches lauerte hinter den sich weit verzweigenden Quellen und Hinweisen, die ich fand - wobei mit jedem kleinen Schritt, den ich auf diesem Weg ging, die Hochachtung vor den Schriftstellern nur noch mehr wuchs. Ebenso entstand die Klarheit, dass ich wohl mein eigenes Süppchen aus den ganzen leckeren Zutaten würde kochen müssen, welches wir nun - wünsche wohl zu Speisen! - gemeinsam auslöffeln dürfen.

Am Ende kam etwas heraus, das Sie gerne als eigen, ja passender noch als eigenwillig bezeichnen dürfen. Die Preußler-Kenner mögen mir bitte großzügig verzeihen, ebenso wie die Verfechter einer anderen Auslegung oder der historischen Begebenheiten. Und doch, welch schöner Nebeneffekt: Je weiter ich mich persönlich mit meiner eigenen Interpretation von den Romanen entfernte, umso besser konnte ich diese klugen und schönen Arbeiten der Autoren wertschätzen. Im Vertrauen - ich hege die große Hoffnung, dass Sie, wenn sie meine Arbeit nicht mögen (ich spreche hier bewusst von meiner, die anderen Beteiligten trifft keine Schuld!), dies ähnlich auffassen können.
Ich habe versucht, mich mit dem größtmöglichen Respekt an die Legende vom ‘sorbischen Zauberer’ anzunähern und möchte mich nicht mit fremden (Raben-)Federn schmücken.
Wenn mir allerdings weiterhin gelingt, mit unserer Musik Leute auf die Spur von Preußler, Br?zan & Co zu locken, dann freut es mich umso mehr.

Ich habe es schon an anderer Stelle geschrieben: Die Arbeiten an Zaubererbruder kamen uns wirklich sehr gelegen - als tiefes Luftholen vor dem neuen finsteren ASP-Zyklus. Aber wir hätten auch einfach mal die Pause genießen können. Im Grunde sind Sie schuld. Ja, SIE!
Denn es war das lang anhaltende Interesse der Hörer, der nicht abreißen wollende Strom von Anfragen zu den Krabat-Liedern, der die Entscheidung, dieses ‘Zwischenalbum’ zu machen, maßgeblich beeinflusst hat. Das haben Sie nun davon.

Mit dieser CD geht ein lange gehegter Traum in Erfüllung. Danke.

Asp, im Juni 2008.

  1. Eskapismus: Siehe auch das Gezeter des Autors in Horror Vacui – Liedtexte/Lyric im Vorwort.
  2. Otfried Preußler: Krabat. Edition Georg Popp. 1.Auflage (Nr. 20). Würzburg 1976.
  3. Br?zan, Jurij: Die Schwarze Mühle. Erschienen im Domowina-Verlag. ISBN 3-7420-2022-6