Journal

28. November 2025

MEHR DENN JE!

Ihr schönen Menschen,

die Überschrift meines Journaleintrages ist gewollt positiv und kämpferisch. Es geht um Konzerte und wie wir versuchen wollen, in der Zukunft weiter für euch auf den Bühnen stehen zu können und diese magische Verbindung zu genießen.

Leicht ist das freilich nicht in der heutigen Zeit. Selbst der unaufmerksamste Gelegenheitskonzertgänger dürfte mittlerweile mitbekommen haben, dass sich ganz allgemein Absagen von Veranstaltungen häufen und teilweise ganze Tourneen aus Unwirtschaftlichkeit ausfallen. Es wird dann aus Prestige-Gründen nicht immer so ganz die Wahrheit gesagt; man begegnet vielen Verschleierungen, um dem Ansehen der Beteiligten nicht zu schaden, schließlich wirft es ein ganz schlechtes Licht auf vor allem den Künstler. Schnell heißt es, der Erfolg schwindet, und man hat Angst, einen Domino-Effekt auszulösen. Konzertabsagen und der ehrliche Umgang mit der Situation können Verunsicherung bei manchen Veranstaltern auslösen, und am Ende können abgesagte Konzerte zu weiteren Absagen führen oder noch schlimmer: Konzerttermine kommen gar nicht mehr zustande.

Ich habe das immer etwas anders gehandhabt mit der Kommunikation. Das Publikum hat meiner Meinung nach Ehrlichkeit verdient, selbst wenn das negative Nebeneffekte hat. Gerade in der heutigen Zeit, in der es durch die Streaming-Giganten und Plattformindustrien immer schwieriger wird, die Existenz eines künstlerischen Projektes überhaupt zu sichern, scheint es mir wichtig, auf die brandgefährlichen Entwicklungen hinzuweisen. Und dabei geht es nicht nur um den Fokus auf das Fortbestehen des eigenen Herzensprojekts, sondern tatsächlich auch um viel allgemeiner gefasste Sorgen, was die Zukunft von Kunst, speziell Musik und Bands, angeht. 


Die kleineren und mittelgroßen Bands (zu denen wir zählen, ja, glaubt mir das!) trifft es immer am stärksten. Newcomer-Band möchte man heute nicht mehr sein, darüber allein könnte man einen langen Text schreiben. Eine sogenannte „Szeneband“, die im Underground verwurzelt ist, möchte man durchaus sein, kann man sich aber kaum leisten, wenn man das Ganze in Vollzeit und mit allem, was einem daran wichtig ist, betreiben möchte.

Die Vielfalt, der kreative Mut und die schöpferischen Eigenheiten sind, betrachtet man das große Ganze, nach meinem Dafürhalten in Gefahr. Darüber könnte man ebenfalls einen langen Text, wenn nicht sogar ein ganzes Buch schreiben. Könnte ich mal machen, dann wird aber erneut alles andere liegen bleiben. Keine gute Idee. Songs schreiben ist nicht nur das, was sich einige von euch am meisten von mir wünschen, sondern der Kern meines Daseins, meiner Musikerexistenz. Ohne neue Songs stellen sich Krankheit, Verzweiflung und schließlich Resignation ein. Also lieber kein Buch schreiben. 

Und eigentlich auch keine Konzerte organisieren. Denn das kostet mich persönlich mittlerweile – ich habe zwar keins geschrieben, aber Buch darüber geführt – aufgrund äußerer Umstände mehr als doppelt so viel Zeit wie noch vor sechs, sieben Jahren. Das ist eine äußerst dramatische Entwicklung in der ASP-Arbeitswelt, die sich auf sämtliche Bereiche auswirkt.
Das erinnert mich daran, dass ich dafür über den Turmbau jemanden einstellen wollte. Das ist gründlich schiefgegangen. Aber das ist eine andere Geschichte und soll an einem anderen tag erzählt werden …

Gleichzeitig stehen wir wahnsinnig gerne für euch auf der Bühne, denn das ist eine sehr erfüllende Angelegenheit, zumindest die Stunden des tatsächlichen Auftrittes. Ganz unabhängig davon, ob man nachher ein Plus erwirtschaftet hat. 

Es ist also davon auszugehen, dass wir alles, was in unserer Macht steht – und das ist meist etwas weniger, als Außenstehende denken –, versuchen wollen, um Live-Auftritte weiterhin zu ermöglichen. Denn wir wollen das mit euch erleben. Mehr denn je.

Zunächst sei vorausgeschickt: Wir können uns mit ASP noch glücklich schätzen. Unsere Besucherzahlen sind meist wirklich prima und die Menschen, die zu unseren Konzerten kommen, ebenfalls.

Auch nach der Pandemie.

Aber alles andere hat sich in extremem Ausmaß verändert.  Die Kosten, die wir für Technik, Personal und Transport tragen, fliegen uns um die Ohren. Wollte man das real wirtschaftlich abbilden, dann müsste der Ticketpreis für ein Konzert in der heutigen Zeit locker 30 bis 40 % höher ausfallen als bisher. Das geht nicht, das ist den meisten Menschen ein ASP-Konzert nicht wert, oder sie können sich es nicht leisten.

Da aber auch alle anderen Beteiligten ihre Stücke vom Kuchen haben wollen und sie auch brauchen, ist die Lösung momentan: Die Band bekommt ein viel kleineres Stück davon. Oder in manchen Fällen heißt das sogar: Die Band bringt dann Kuchen mit.

Für viele Leute, die auf den Social-Media-Plattformen abledern, scheint das auch völlig okay zu sein. Der Künstler soll schließlich vom Applaus leben und davon im Idealfall auch die Miete bezahlen. Noch besser: Wenn er seiner Berufung nachgeht und damit gleichzeitig seinen Lebensunterhalt sichern möchte, wird ihm auch gerne mal sämtliches Herzblut abgesprochen, der Umkehrschluss wird direkt präsentiert: Wer etwas verdienen möchte, der sei ja nur auf Kohle aus und daher sowieso kein ernstzunehmender Künstler.

Steile These, bösartige Unterstellung, sehr weit verbreitet.

Im Bewusstsein, dass die durchschnittlichen Aufmerksamkeitsspannen bereits dafür gesorgt haben werden, dass die Wenigsten bis hierhin gelesen haben: Absatz und weiter zu den positiven Nachrichten.

Kluge Köpfe wurden zusammengesteckt, es wurde analysiert, gerechnet, alle Aspekte wurden akribisch untersucht, und das Ergebnis lautet selbstverständlich: Ja. Tourneen wird es geben. Weil wir es wollen. Mehr denn je.

Wir wollen wieder etwas mehr auf unsere Zuschauer zukommen, im wahrsten Sinne des Wortes. Sprich: Wir wollen auch wieder in Regionen musizieren, die in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen sind. Das birgt auch Risiken, aber wir hoffen, dass es mehr Menschen ermöglicht, unsere Konzerte zu besuchen.

Ein Ding der Unmöglichkeit ist für uns leider, das immer größer werdende Bedürfnis des Publikums zu stillen, ausschließlich an Wochenenden zu spielen. Ich halte es auch grundsätzlich für eine schlechte Idee, die Live-Aktivitäten auf Wochenenden zu beschränken, und das nicht nur, weil es die ganze Situation für die Bands nochmal teurer macht. Es liegt leider auch auf der Hand: Wenn alle Bands nur noch an Samstagen aufträten, dann gäbe es nicht genug Auftrittsmöglichkeiten für alle, und der Konkurrenzdruck wäre noch viel größer, da der Konzertgänger sich zwischen vielen Angeboten, die ihn interessieren würden, entscheiden müsste. Man kann ja schlecht gleichzeitig zu mehreren Musikevents gehen. Aber klar: Von Montag bis Mittwoch hat man im Grunde keine Chance mehr. In diesen Lücken allerdings entstehen leider trotzdem Kosten.

Für Auslandshows haben wir momentan leider noch kein umsetzbares Konzept entwickeln können. Gerade die vielen Rufe nach Schweiz- und Österreich-Konzerten können wir derzeit nicht erhören, ganz gleich, wie uns das Herz blutet. Wir geben nicht auf. Auch wenn unser aller Geduld wirklich überstrapaziert wird. Wir bleiben dran und versuchen, zumindest innerhalb Deutschlands in Eure Nähe zu kommen. 

Dieser lange Text ist ein Angebot, ein Blick hinter die Kulissen. Für diejenigen unter euch, die sich für unsere Welt und die alltäglichen Kämpfe und Bemühungen interessieren.

Danke für dieses Interesse und, das darf man heute auch sagen: Danke, dass ihr die Ehrlichkeit mit Vertrauen belohnt. Es ist offensichtlich, dass da draußen in der Antisocial-Media-Welt jederzeit ein Klugschei*er seinen Senf dazugeben kann und mit gefährlichem Halbwissen und halb herablassenden, halb „gut“ gemeinten Ratschlägen und Tipps um die Ecke kommt, wie man Dinge aus seiner Sicht lösen könnte, was man verbessern könnte. Glaubt mir: Das ist nicht nur im Bereich Konzertorganisation so, sondern lässt sich locker auf so ziemlich ALLES andere übertragen: Die haben alle extrem viel Meinung und total wenig Ahnung.

Wenn ihr uns ohne viel Mühe bei diesen Vorhaben unterstützen möchtet, dann könnt ihr das übrigens total gerne tun! Ganz ohne Spende, ganz ohne Zusatzkosten: Macht uns sichtbar: Sagt unsere Tourtermine auf allen Kanälen weiter. Teilt die frohe Botschaft, äußert eure Begeisterung!

Dazu demnächst mehr!

Euer

Asp