Journal

7. März 2017

BITTE KEINE GEBURTSTAGS- ODER ANDEREN GESCHENKE!


Liebe Freunde,

DIESEN JOURNAL-EINTRAG GAB ES BEREITS VOR DREI JAHREN SCHONMAL. ES IST AN DER ZEIT, IHN LEICHT ANGEPASST WIEDER HERAUSZUKRAMEN!

Kommen wir heute ausnahmsweise zu einem nicht so ernsten Thema, welches aber dennoch wieder mal angesprochen werden muss, besonders angesichts des Zusammenfallens unseres Intimus-Konzertes in Reutlingen und dem Wiegenfest des Verfassers (also meinem).

Es geht um Geschenke. Genauer gesagt um Geschenke von Fans an die Band, bzw. an mich.
BITTE SCHENKT MIR NICHTS! BITTE!


Speziell zu Anlässen wie einem Geburtstag wird ja gerne geschenkt.

Man denkt an die gemeinsame Zeit, die vielen schönen Erlebnisse, die emotionalen Hochs und Tiefs, die man miteinander erleben durfte (ja, durfte! Wie ihr wisst, bin ich ein großer Anhänger des Prinzips „Tiefen genauso zulassen und erleben“), die Lieder, die Lieder und immer wieder die Lieder!

Das ehrt uns, und wir sehen es mit klarem Blick, großer Demut und Dankbarkeit. Und tatsächlich ist es keine hohle Phrase, wenn ich euch sage: Es ist uns Geschenk und Dankbarkeitsbezeugung genug, wenn ihr unsere Alben ins Regal stellt, zu unseren Konzerten kommt und uns applaudiert, wenn ihr euch auf unsere merkwürdigen Lieder einlasst und sie mögt …

Es ist keine hohle Phrase, sondern eine ganz handfeste und bodenständige Feststellung, die unser Überleben sichert. Und es verhält sich zudem so: Alle anderen Arten von Geschenken sind leider meist keine guten Ideen, wenn ihr uns eure Dankbarkeit zeigen möchtet.

Kleines Beispiel:
In meinem kleinen Texte-Buch „Horror Vacui“ erwähne ich, dass ein noch ungeklärtes Phänomen dafür sorge, dass aus meiner Asterix-Sammlung immer irgendwie der Band „Trabantenstadt“ verschwinde …

Prompt bekomme ich in unregelmäßigen Abständen diesen Band zugeschickt oder wie neulich etwa zwei Dutzend Ausgaben davon auf der Tournee überreicht, damit ich nie wieder den Verlust dieses Bandes erleiden solle. Das ist sehr witzig und auch gut gemeint. Als ich allerdings am Ende der Tour völlig zerstört und beladen mit meinen drei schweren Taschen**, meinem nicht zu unterschätzenden Eigengewicht und eben diesem Paket Comics in den gefühlten siebten Stock (in Wahrheit sind es nur vier Stockwerke) hinaufstieg, da hätten die Nachbarn (die mich nicht zu Unrecht für einen verschrobenen Kauz halten) beinahe den Notarzt rufen müssen.

Danke trotzdem, ich habe die Bände ALLE am Stück durchgelesen, sozusagen auf Vorrat ;)

Apropos Schmökern:

Ich lese gerne, und das wissen auch alle. Weil ich so gerne lese und mir ständig Bücher kaufe, ist mein „NZL-Stapel“* mittlerweile auf mehrere Regale verteilt. Und wenn ich weiter das Tempo halte, das ich durchschnittlich für das Durchlesen eines Buches benötige  – meist schlafe ich abends nach zwei Seiten darauf ein, was meinen unbeantworteten Ruf nach Romanen auf flauschigem Leinen erklärt –, dann werde ich noch zweimal einen Reinkarnationszyklus durchlaufen müssen, um die alle zu schaffen. Mist.

Nun schenken mir aber noch Fans Bücher, die SIE gerne mögen und von denen sie sich wünschen, dass ich sie gerne lesen würde. Oder noch schlimmer: Sie geben sie mir mit dem subtilen Hinweis, ich möge sie als Inspirationsquelle nutzen (soll ich das als Wink mit dem berühmten Zaunpfahl deuten?), oder überreichen mir selbst geschriebene Romane als Revanche dafür, dass sie sich ja verdammt nochmal auch jahrelang mit MEINER Kunst beschäftigt hätten und es vermutlich nur recht und billig sei, wenn ich dann …

Stop! Das ist alles nicht böse gemeint. Aber bitte, bitte, bitte: Ich muss bald in eine größere Wohnung ziehen, wenn ich weiter so viel Lesestoff bekomme. Das kann ich mir beim besten Willen nicht leisten, bitte unterlasst es, hihi.

Eine andere Geschichte:
Beim zweiten Teil der 2009er Tour also, da war ich wirklich, wirklich schlimm krank. Ich hatte eine böse Halsentzündung und taumelte immer nur für den Auftritt aus dem Bett auf die Bühne. Eigentlich hätte die Tour abgesagt werden müssen, aber ich dachte (wie so oft), irgendwie würde auch das gehen. Es ging irgendwie. Noch heute werde ich von Leuten an Situationen und Gespräche dieser Tour erinnert, an die ich mich in keiner Weise zu erinnern vermag. Sicher habe ich genau zu diesem Zeitpunkt die richtig gute Phase meiner Karriere verpasst? Hat jemand scharfe Erinnerungsfotos davon gemacht, die er mir zur Verfügung stellen kann? 

Es sprach sich ziemlich schnell rum, dass ich völlig im Eimer war. Und freundlicherweise wurden mir innerhalb kürzester Zeit sämtliche bekannten und unbekannten Hausmittel geschenkt, die mir helfen sollten, wieder auf die Beine zu kommen. Ich habe mal gelernt: Nimm keine Drogen von Unbekannten, wer weiß, was da drin ist. Ich muss zugeben, dass ich auf dieser Tournee durchaus so weit gegangen wäre, mich mit mariniertem Affenkot einzureiben, wenn mir das irgendwie Heilung versprochen hätte und die Affen nichts dagegen gehabt hätten. Aber hätte ich tatsächlich all die Dinge eingenommen, die aus schierer Freundlichkeit an mich weitergereicht wurden, dann wäre ich vermutlich noch heute auf einem extrem krassen Drogen-Trip oder auf der Stelle in eine Million Teile zersplittert. Also griff ich auf meine eigene Hausapotheke und das gute alte Mittel zurück: pennen, pennen, pennen.

Ich musste die meisten Sachen leider in gute Hände weitergeben, denn wir hätten damit vermutlich nicht in die Schweiz einreisen dürfen. Bei der Menge an pharmazeutischen und  homöopathischen Mittelchen hätten sie uns am Zoll womöglich nicht durchgelassen.

Ich bedanke mich aber trotzdem bei allen, die versucht haben, mir auf diese Weise zu helfen. Aufmunternd war es nämlich auf jeden Fall. Aber bitte nicht nochmal. Weder Grippe noch Mittel dagegen. 

Eine völlig andere Art Geschenke habe ich noch gar nicht erwähnt, obwohl sie in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat, eigentlich, wenn ich es mir recht überlege, exponentiell gewachsen ist im selben Verhältnis, wie gewisse andere Angebote geringer  wurden *anzüglich zwinker*.

Es geht um Stofftiere. Stoff-Monsterchen. Stoff-Asps. Stoff-Tossis … Moment, gab es wirklich Stoff-Tossis, oder habe ich das nur geträumt? Wie auch immer: Sie werden gerne überreicht. Früher wollten die Damen noch selbst mit uns in die Buskoje, heutzutage werden stattdessen Stofftiere ihrem traurigen Schicksal im Rockstar-Nightliner überlassen. Vielleicht auch als eine Art „Kundschafter oder Vorhut“? Ich weiß es nicht. Ehrlich gesagt empfinde ich das schon als ganz schön gemein. DIE ARMEN STOFFWESEN! Müssen zu völlig Fremden ins Auto steigen? Also genau das, wovor uns unsere Eltern immer gewarnt haben?

Einmal wollte ich ein ganz besonders böser Schockrocker sein und habe einen Teddybären an einer Autobahnraststätte – an einen Mülleimer angeleint – ausgesetzt. Kinder, wir mussten bei der nächsten Ausfahrt raus und umdrehen, um das arme Ding wieder abzuholen! Meine Reisegefährten hätten sonst nie wieder ein Wort mit mir gesprochen. Das hält doch kein Mensch aus, sowas! Wir dachten seither schon daran, nach jeder Tour diese Geschenke an ein Kinderheim zu spenden, aber die teils gruselige Aufmachung der Püppchen ließ uns auch diesen Plan schnell wieder verwerfen.

Ihr seht also,

es ist alles gar nicht so einfach. Sicher versteht ihr demnach, dass es auch aus diesen Gründen tatsächlich kein leeres Gerede ist, wenn wir euch sagen: 

Bitte keine Geschenke! 

Bitte sorgt einfach weiterhin dafür, dass wir das tun dürfen, was wir lieben. Das ist wirklich das größte Geschenk von allen!

Bis dahin,
Euer
Asp

*Noch zu lesen

**Merkwürdigerweise wiegen die Bühnenklamotten am Ende einer Tour immer dreimal so viel …